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Historisches zur Person der Kunigunde

Es war ihr nicht in die Wiege gelegt worden, eines Tages Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches zu werden: Die luxemburgische Grafentochter Kunigunde (geb. ca. 980) hatte kurz nach 995 Heinrich, den Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich, genannt „der Zänker“, geheiratet. Damit gehörte sie zwar zum Reichsadel, eine echte Perspektive auf das Herrscheramt bestand jedoch zum Zeitpunkt der Eheschließung mit dem Liudolfinger nicht. Dies sollte sich ändern: Der jüngere Heinrich war durch eine Häufung dynastischer Zufälle in der ottonischen Hauptlinie der Dynastie und mittels eigener Entschlossenheit im Jahre 1002 zum Herrscher des Heiligen Römischen Reiches geworden. Er hatte damit etwas erreicht, worum sich sein streitbarer Vater noch vergeblich bemüht hatte. Die historischen Quellen berichten von einem autoritären „Mönchskönig“, der das Reich in konsequentem Zugriff auf die Reichskirche verwaltete. Kunigunde hingegen tritt uns aus den historischen Quellen nur mittelbar entgegen: Urkunden, Itinerare und kirchliche Texte zeichnen nur ein blasses Bild Kunigundes.

Erste Konturen werden sichtbar

Doch Konturen werden sichtbar: Am 10. August 1002 wurde Kunigunde, wohl als erste Königin des Reiches, in Paderborn in einem eigenständigen Festakt gesalbt und gekrönt und so mit einer eigenen sakral-herrscherlichen Legitimation ausgestattet. Sie wirkte als Fürsprecherin und als von Heinrich ausdrücklich so bezeichnete „Gefährtin in der Herrschaft“ (consors regni) an der Regierung mit und stiftete, meist zusammen mit Heinrich, großzügig an Kirchen und Klöster, besonders zugunsten Bambergs. Dort war auf Initiative Heinrichs ein neues Bistum entstanden, dessen Bischofssitz Bamberg ursprünglich Kunigundes Morgengabe gewesen war. Kunigunde betätigte sich nicht nur als Intervenientin, sondern vertrat Heinrich während dessen Abwesenheit zu Kriegszeiten an der Spitze des Reiches. Ebenso übte sie nach Heinrichs Tod 1024 für mehrere Monate die Reichsverweserschaft aus und sorgte damit für einen geordneten Übergang auf den neuen König, Konrad II., dem sie auch die Reichsinsignien übergab. Vorbildlich gestaltete Kunigunde ihren Lebensabend: Sie hatte als Ersatz für Bamberg den Königshof Kaufungen bei Kassel erhalten, dort schon 1017 ein Benediktinerinnenkloster gegründet und planvoll aufgebaut. Die Kaiserwitwe zog sich 1025 nach Kaufungen zurück und starb dort als einfache Nonne am 03. März 1033.

Privatsache wird zur politischen Angelegenheit

Rund um das 1000-jährige Jubiläum von Kaisertum und Bistumsgründung Heinrichs und Kunigundes hat sich die Mittelalter-Forschung in den letzten Jahren intensiv und interdisziplinär mit dem Herrscherpaar auseinandergesetzt. Dabei wurde auch immer wieder der Blick auf etwas gerichtet, was wir heute als „Privatsache“ bezeichnen würden, was im dynastischen Herrschaftsdenken des Mittelalters jedoch eine hochpolitische Angelegenheit darstellte: die Kinderlosigkeit des Kaiserpaares. Wie die historischen Quellen vermuten lassen, hatten sich Heinrich und Kunigunde eine Zeitlang um biologische Nachkommen bemüht – dies jedoch vergeblich, wie wir wissen. Das ottonische Herrscherhaus starb endgültig aus, mit Konrad II. kamen die Salier auf den Thron. Dass Heinrich und Kunigunde dennoch nicht vergessen oder als dynastische „Versager“ verunglimpft wurden, liegt sicherlich an der Tatsache, dass sie aus ihrer Kinderlosigkeit ein fromm-memoriales Erfolgsprojekt machten: Sie setzten gezielt, wie die Quellen sagen, Christus selbst als ihren Erben ein und gründeten dazu glanzvoll das Bistum Bamberg, zu Gottes Ruhm und zur Bewahrung ihres eigenen Gedenkens. Somit stehen sie nicht sinnbildlich für das traurige Ende einer Dynastie, sondern werden nicht zuletzt aufgrund ihrer Kinderlosigkeit als Heilige der Kirche auch noch 1000 Jahre nach ihrem Tod verehrt. Die dankbare Erinnerung „ihres“ Bistums ist ihnen bis heute gewiss.